Spielen wir doch einfach mal ein Spiel, um den Ablauf deutlich zu machen! »Ball-Bahnen« heißt das Spiel, und Sie benötigen dazu zwei oder drei Jonglierbälle.
Kurz den Hintergrund des Spiels erklären und neugierig machen. »Ich habe Ihnen hier ein kleines Experiment mitgebracht. Man erzählt, es würde beide Gehirnhälften aktivieren. Natürlich hat es auch mit unserem Seminarthema Kommunikationstraining zu tun.« Der Hintergrund des Spiels ist erläutert.
Jetzt heißt es, in das Spiel einzusteigen. Die Seminarsitzordnung besteht aus einem offenen Stuhlhalbkreis. »Bitte stehen Sie alle einmal auf und bilden Sie einen Kreis.« Dazu stehen Sie selbst auf, unterstützt durch eine motivierende Handbewegung. Die Teilnehmer werden Ihnen folgen, und schon sind sie mitten im Spiel.
Gehen Sie noch einen Schritt weiter. Sie haben zwei Seminar-Jonglier-bälle dabei. Werfen Sie einen Ball einem Teilnehmer zu, der Ihnen gegenüber steht. Genug. Das reicht schon als Einstieg. Alle sind dabei.
Mit dem Spiel anfangen heißt hier, einen kleinen Schritt in das Spiel machen. Das können ganz »undramatische« Dinge sein, wie zum Beispiel »alle aufstehen«, »einen Stift und ein Blatt Papier nehmen«, »Gruppen bilden« oder »den Nachbarn anschauen«.
Die Erfahrung zeigt, dass die Teilnehmer, wenn sie erst einmal mit der Übung begonnen haben, auch dabei bleiben. Wenn, bevor es losgeht, alles ganz genau erklärt wird, dann wird die »Starthemmschwelle« immer größer. Sind Sie erst einmal mitten im Spiel, können Sie weitere Erklärungen geben. Abspringen tut jetzt keiner mehr.
Manchmal wollen Teilnehmer gerne wissen, was genau auf sie zukommt: »Kannst du nicht vorher erklären, was wir machen müssen?«. Bitten Sie in so einem Fall um einen »Vorschuss«. »Ich kann nicht alles vorher erklären, denn dann funktioniert die Übung nicht. Ich bitte einfach um einen kleinen Vorschuss. Wenn jemand zwischendurch aussteigen möchte, kann er das natürlich jederzeit tun. Ist der Vorschlag O.K.?« Kommt jetzt zustimmendes Brummen oder keine Antwort, dann fangen Sie einfach an. Meine Erfahrung ist, dass niemand mehr aussteigt, wenn es erst einmal losgegangen ist.
Erläutern Sie genau die weitere Vorgehensweise. Hier ist wichtig, dass alle den Ablauf verstehen. Erklären Sie klar und eindeutig den weiteren Spielverlauf. Die Erklärungen dürfen dabei nicht zu kompliziert sein. »Bitte wirf den Ball an jemand anderen weiter. Jeder sollte den Ball mindestens und höchstens einmal fangen und werfen. Wenn alle den Ball einmal gehabt haben, wirft der letzte den Ball zurück zu mir.« Es entsteht eine bestimmte Ball-Bahn. Wiederholen Sie dies mit einem zweiten andersfarbigen Ball, allerdings in einer anderen Bahn. So entstehen zwei Ball-Bahnen. Üben Sie eventuell die eine oder die andere Bahn einzeln.
Jetzt wird es ernst. »Ziel des Spiels ist es, dass kein Ball auf die Erde fällt.« Alle zwei oder drei Bälle werden kurz hintereinander von Ihnen »gestartet« und so ins Spiel gebracht. Die zwei Ball-Bahnen laufen gleichzeitig. Wenn alle Bälle wieder bei Ihnen gelandet sind, ist ein Durchlauf zu Ende. Je nach Gruppe können Sie solange üben, bis die Bahnen laufen, ohne dass ein Ball herunterfällt.
Die Reflexionsphase ist sehr wichtig. Hier werden der Bezug zum Seminarthema hergestellt und die Erfahrungen mit dem Spiel ausgewertet. Nach dem obigen Beispiel können Sie gemeinsam nachdenken: »Wann funktioniert das System?« (Konzentration - Blickkontakt zu dem, dem ich den Ball zuwerfen will - nonverbales O.K., dass der Andere zum Fangen bereit ist - ich muss darauf vertrauen, dass der Andere mir den Ball nur zuwirft, wenn ich ihn fangen kann - merken, wem ich den Ball zugeworfen habe - ich muss den Ball so werfen, dass er gefangen werden kann - es kommt nicht darauf an, möglichst schnell viele Bälle zu werfen, sondern darauf, dass die Bälle gefangen werden - ...)
»Wo gibt es Parallelen zur (nonverbalen) Kommunikation, Moderation, Präsentation?« Sie können mit den Teilnehmern aus der Spielerfahrung heraus Kommunikationsgrundsätze erarbeiten.
Ich schlage Ihnen fünf Schritte zur teilnehmermotivierenden Durchführung eines Spieles vor:
1. Kurz den Hintergrund des Spieles erklären
2. Mit dem Spiel beginnen
3. Detailerläuterungen zum Ablauf des Spieles geben
4. Spiel durchführen
5. Das Spiel reflektieren
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